Call for Papers

Politische Meinungsverschiedenheiten

Humboldt-Universität zu Berlin
30.–31.10.2017
Deadline für Einreichungen: 16.07.2017

In politischen Fragen bestehen zahlreiche Meinungsverschiedenheiten, sowohl hinsichtlich konkreter politischer Inhalte (policy) als auch hinsichtlich politischer Machtverteilung. Die Konferenz "Politische Meinungsverschiedenheiten" hat das Ziel, Perspektiven der Philosophie (Erkenntnistheorie, Politische Philosophie) und Politischen Theorie auf Meinungsverschiedenheiten zu verbinden. Forscherinnen und Forscher aus beiden Disziplinen sind herzlich eingeladen, Vorträge einzureichen.

Eingeladene Vorträge
André Bächtiger (Stuttgart)
Klemens Kappel (Kopenhagen)
Fabienne Peter (Warwick)
Kai Spiekermann (LSE)

Politische Meinungsverschiedenheiten lassen sich in der Regel weder durch zwingende Argumente noch durch Einholen weiterer Informationen auflösen. Andererseits besteht gerade in politischen Angelegenheiten erhöhter Entscheidungsdruck; trotz Dissens müssen politische Organe Entscheidungen fällen, die das Leben zahlreicher Menschen bestimmen. Politische Meinungsverschiedenheiten herrschen oft auch unter epistemisch ebenbürtigen Personen (epistemic peers), die mit den einschlägigen Argumenten und Belegen gleichermaßen vertraut sind und über ähnliche Kompetenzen verfügen. Die Philosophie und die Politische Theorie stellt dies vor verschiedene Herausforderungen, die in der Konferenz behandelt werden sollen:

  • Rawls zufolge kommt es in der Politik häufig zu "vernünftigen Meinungsverschiedenheiten". Demnach können einander widersprechende politische Positionen gleichermaßen gerechtfertigt sein. Diese Annahme ist in der Politischen Theorie weit verbreitet, sie kann aber aus erkenntnistheoretischer Perspektive problematisiert werden. In den vergangenen Jahren gab es eine lebhafte Debatte über Meinungsverschiedenheiten unter epistemisch ebenbürtigen Personen (peer disagreement). Einige Autoren vertreten die Auffassung, dass es für ebenbürtige Personen nicht vernünftig sei, auf divergierenden Standpunkten zu beharren; vielmehr müssten sie sich konziliant in der Mitte treffen.
  • Epistemische Demokratietheorien rechtfertigen die Demokratie damit, dass sie häufiger als jede andere Regierungsform zu richtigen Entscheidungen führe. Angesichts weit verbreiteter politischer Meinungsverschiedenheiten ist es jedoch fraglich, ob der Verweis auf vermeintlich bessere bzw. vernünftigere Ergebnisse die angenommene Begründungsleistung für Entscheidungsregeln vollbringen kann.
  • Entscheidungsverfahren wie die Mehrheitsregel werden oft mit dem Hinweis auf Werte wie Fairness gerechtfertigt. Es stellt sich aber die Frage, ob dieses Mittel zur Überwindung von Meinungsverschiedenheiten als epistemisch gerechtfertigt gelten kann. Die moralische und die erkenntnistheoretische Dimension politischer Meinungsverschiedenheiten könnten also mitunter in unterschiedliche Richtungen weisen.

Wenn Sie einen deutsch- oder englischsprachigen Vortrag zu einem der genannten oder einem verwandten Thema halten möchten, schicken Sie uns bitte bis 16.07.2017 ein anonymisiertes Abstract im Umfang von 500 bis 1.500 Wörtern, aus dem die zentralen Thesen und Argumente Ihres Vortrags hervorgehen. Senden Sie es bitte als PDF-Datei an Frau Kerstin Helf, E-Mail: helfkers@hu-berlin.de
Sie werden bis 31.07.2017 verständigt, ob Ihr Vortrag angenommen wird. In diesem Fall werden die Hotel- und Reisekosten (aus Europa) übernommen.

Für Rückfragen stehen die Organisatoren gerne zur Verfügung:
Dr. Christoph Schamberger, E-Mail: christoph.schamberger[at]web.de
Dr. Martin Ebeling, E-Mail: martinebeling[at]gmail.com

  • In Kooperation mit der Universität Kiel