Konferenz

Politische Meinungsverschiedenheiten

Humboldt-Universität zu Berlin
30.–31. Oktober 2017

Die Teilnahme ist kostenlos, aber die Plätze sind beschränkt. Bitte melden Sie sich an unter kerstin.helf@hu-berlin.de
Wissenschaftliche Organisation: Martin Ebeling, Christoph Schamberger

In politischen Fragen bestehen zahlreiche Meinungsverschiedenheiten, sowohl hinsichtlich konkreter politischer Inhalte (policy) als auch hinsichtlich politischer Machtverteilung. Die Konferenz "Politische Meinungsverschiedenheiten" hat das Ziel, Perspektiven der Philosophie (Erkenntnistheorie, Politische Philosophie) und Politischen Theorie auf Meinungsverschiedenheiten zu verbinden.

Politische Meinungsverschiedenheiten lassen sich in der Regel weder durch zwingende Argumente noch durch Einholen weiterer Informationen auflösen. Andererseits besteht gerade in politischen Angelegenheiten erhöhter Entscheidungsdruck; trotz Dissens müssen politische Organe Entscheidungen fällen, die das Leben zahlreicher Menschen bestimmen. Politische Meinungsverschiedenheiten herrschen oft auch unter epistemisch ebenbürtigen Personen (epistemic peers), die mit den einschlägigen Argumenten und Belegen gleichermaßen vertraut sind und über ähnliche Kompetenzen verfügen. Die Philosophie und die Politische Theorie stellt dies vor verschiedene Herausforderungen, die in der Konferenz behandelt werden:

  • Rawls zufolge kommt es in der Politik häufig zu "vernünftigen Meinungsverschiedenheiten". Demnach können einander widersprechende politische Positionen gleichermaßen gerechtfertigt sein. Diese Annahme ist in der Politischen Theorie weit verbreitet, sie kann aber aus erkenntnistheoretischer Perspektive problematisiert werden. In den vergangenen Jahren gab es eine lebhafte Debatte über Meinungsverschiedenheiten unter epistemisch ebenbürtigen Personen (peer disagreement). Einige Autoren vertreten die Auffassung, dass es für ebenbürtige Personen nicht vernünftig sei, auf divergierenden Standpunkten zu beharren; vielmehr müssten sie sich konziliant in der Mitte treffen.
  • Epistemische Demokratietheorien rechtfertigen die Demokratie damit, dass sie häufiger als jede andere Regierungsform zu richtigen Entscheidungen führe. Angesichts weit verbreiteter politischer Meinungsverschiedenheiten ist es jedoch fraglich, ob der Verweis auf vermeintlich bessere bzw. vernünftigere Ergebnisse die angenommene Begründungsleistung für Entscheidungsregeln vollbringen kann.
  • Entscheidungsverfahren wie die Mehrheitsregel werden oft mit dem Hinweis auf Werte wie Fairness gerechtfertigt. Es stellt sich aber die Frage, ob dieses Mittel zur Überwindung von Meinungsverschiedenheiten als epistemisch gerechtfertigt gelten kann. Die moralische und die erkenntnistheoretische Dimension politischer Meinungsverschiedenheiten könnten also mitunter in unterschiedliche Richtungen weisen.

Vortragende
André Bächtiger (Stuttgart)
Martin Ebeling (Berlin)
Jakob Hohnerlein (Freiburg)
Klemens Kappel (Kopenhagen)
Christoph Lumer (Siena)
Julian F. Müller (Brown)
Fabienne Peter (Warwick)
Michael Samhammer (Greifswald)
Christoph Schamberger (Berlin)
Kai Spiekermann (LSE)

  • In Kooperation mit der Universität Kiel